EM-Endrunde 2016 in Frankreich

Die insgesamt 15. Austragung einer EM-Endrunde steht unmittelbar davor. 1960 richteten die Franzosen das erste Finalturnier der besten europäischen Teams statt aus und 2016 findet die Endrunde bereits zum dritten Mal in Frankreich statt.
Kein anderes Land war bisher öfter EM-Gastgeber. In Italien wurden zwei Endrunden – 1968 und 1980 – ausgetragen und auch Belgien hat bereits zwei Finalturniere ausgerichtet (1972 und 2000, damals gemeinsam mit den Niederlanden).

Von 4 Teilnehmern bis zu 24
Zwischen der 1. Veranstaltung 1960 und der kommenden Endrunde 2016 liegen allerdings nicht nur 56 Jahre, auch das Teilnehmerfeld hat sich mittlerweile versechsfacht. Wurden die Finalturniere von 1960 bis 1976 noch innerhalb weniger Tage mit nur jeweils vier Teilnehmern durchgeführt, so kämpfen 2016 in der Endrunde 24 Nationen um den „Coupe Henri-Delaunay“.
Der EM-Pokal, der auf den Turniersieger wartet, ist dagegen seit 1960 nahezu unverändert. Vor der EM 2008 wurde allerdings eine größere Version des Wanderpokals angefertigt, der seitdem an den Gewinner verliehen wird. Das war bisher nur Spanien, das sowohl 2008 als auch 2012 den Titel holte.

Frankreich Spanien und Deutschland sind die Favoriten
Mit dem dritten Titelgewinn in Folge würden die Spanier eine Nachbildung des Originalpokals erhalten. Die Chancen darauf stehen gar nicht schlecht, denn neben Veranstalter Frankreich und Weltmeister Deutschland werden den Spaniern seitens der Buchmacher die niedrigsten Wettquoten zugebilligt.
Zwar hatte das blamable Abschneiden mit dem Vorrunden-Aus als Titelverteidiger bei der WM in Brasilien einige Abgänge im Kader der Spanier zur Folge, Trainer Vicente del Bosque ist aber weiterhin im Amt. Um die langjährigen Stützen wie Andres Iniesta, Iker Casillas und Sergio Ramos formte er eine neue Mannschaft, unter anderem mit Bayerns Thiago und Stürmer Alvaro Morata von Juventus Turin.
Gute Aussichten zum dritten Mal nach 1984 und 2000 Europameister zu werden, rechnen sich aber auch die gastgebenden Franzosen aus. Die Ausrichtung des Turniers gilt dabei als gutes Omen, denn sowohl der erste EM-Titel 1984 als auch der erste WM-Titel 1998 wurden im eigenen Land geholt.

1984 holte Frankreich in Pariser Parc des Princes mit einem 2:0-Finalsieg über Spanien den ersten großen Titel.

Nach 20 Jahren wieder ein EM-Titel für Deutschland?
Die meisten EM-Titel – jeweils drei – holten bisher Spanien (1964, 2008 und 2012) und Deutschland, das 1972, 1980 und 1996 triumphierte. Der letzte Triumph der DFB-Auswahl liegt damit bereits 20 Jahre zurück, aber vor allem nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien stehen die Chancen auch bei der EURO 2016 gut.
Ein Großteil des erfolgreichen WM-Kaders von 2014 steht Bundestrainer Joachim Löw auch zwei Jahre später zur Verfügung, darunter Stützen wie Manuel Neuer, Mats Hummel, Jerome Boateng, Sami Khedira, Tonis Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller.
Dabei hält Löw an seinem Stamm fest, auch wenn zuletzt nicht alle Spieler überzeugen konnten wie etwa Mario Götze, Lukas Podolski oder auch der von Verletzungen geplagte Kapitän Bastian Schweinsteiger. Verzichten muss Löw jedenfalls auf die nach der Weltmeisterschaft aus dem Nationalteam zurückgetretenen Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose.
Dafür kann Löw auf den in der Türkei bei Besiktas Istanbul wiedererstarkten Mittelstürmer Mario Gomez setzen und auch Dortmunds Marco Reus, der die WM in Brasilien aufgrund einer Verletzung verpasst hatte, steht diesmal im Aufgebot.

DFB-Auswahl seit 10 Jahren immer im Halbfinale
Dennoch wird es ein hartes Stück Arbeit für die deutsche Mannschaft, um nach dem vierten WM-Titel auch den vierten Sieg im europäischen Finalturnier zu landen. Denn die EM-Endrunden sind meist um nichts schlechter besetzt als Weltmeisterschaften.
Zwar fehlen die starken Teams aus Südamerika, dafür ist die Dichte höher, da bei Weltmeisterschaften auch viele Teams aus weniger starken Kontinentalverbänden mit dabei sind. Nicht umsonst stellte Europa bei den letzten drei Weltmeisterschaften den Weltmeister (2006 Italien, 2010 Spanien, 2014 Deutschland) und darüber hinaus bei diesen drei Endrunden 9 der 12 Halbfinalteilnehmer.
Bei den letzten fünf großen Endrundenturnieren in den vergangenen zehn Jahren standen die Deutschen jedes Mal im Halbfinale. Den einzigen Titelgewinn gab es bei der WM vor zwei Jahren. Die Erfahrung, dass Titel in Europa zum Teil schwieriger zu erringen sind als bei WM-Turnieren musste beispielsweise auch Italien machen.

1996 wurde Deutschland zum bisher letzten Mal Europameister.

Italien diesmal nur Außenseiter
Nur ein einziges Mal, bei der EM 1968 im eigenen Land, durften sich die Italiener über einen Europameistertitel freuen und selbst da benötigten sie im Finale gegen Jugoslawien ein Wiederholungsspiel.
Zwei Mal standen die Azzurri im Endspiel, unterlagen dort aber. Zuletzt geschah das vor vier Jahren bei der EM in Polen und der Ukraine. Nachdem man sich im Halbfinale noch gegen die DFB-Auswahl durchgesetzt hatte, waren die Italiener im Finale gegen die Spanier allerdings chancenlos und verloren klar mit 0:4.

Italien

Knapper war es im Jahr 2000, als die „Squadra Azzurra“ im Finale gegen Frankreich bis zur 94. Minute mit 1:0 voran lag, dann aber doch noch den Ausgleich hinnehmen musste und in der Verlängerung durch ein Golden Goal des eingewechselten David Trezeguet unterlag.
2016 stehen die Chancen für Italien, endlich wieder den Titel zu holen, nicht ganz so gut. Aufgrund mangelnder Resultate in den vergangenen Jahren, wurde der vierfache Weltmeister bei der Auslosung der Vorrunde auch nicht in Topf 1 gesetzt und muss nun in Gruppe E gegen die vor kurzem noch auf Platz 1 der Weltrangliste rangierenden Belgier antreten.

Zwei Drittel der Teilnehmer erreichen die K.o.-Phase
Dennoch sollte das Erreichen der K.o.-Runde für die Topteams, zu denen auch Italien zählt, kein Problem sein. Das liegt auch am neuen Modus, der durch die Aufstockung auf 24 Teams notwendig wurde.
Denn aufgrund der höheren Anzahl der Teilnehmer findet erstmals bei einer EM-Endrunde ein Achtelfinale statt. Das bedeutet, dass 16 Teams die K.o.-Phase erreichen und nur acht Mannschaften nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Abschneiden in der Vorrunde eine untergeordnete Bedeutung hat. Denn je besser die Gruppenplatzierung, desto eher dürfen die jeweiligen Teams im Achtelfinale mit einer lösbaren Aufgabe spekulieren.
So bekommen die Sieger der Gruppen A-D, also auch der Erste der Deutschland-Gruppe, in der Runde der letzten 16 einen der vier besten Gruppendritten zugeteilt. Nur die Sieger der Gruppen E und F bekommen es mit einem der sechs Zweiten zu tun und könnten daher bereits frühzeitig mit einem großen Kaliber zusammentreffen.

Überraschungen nicht ausgeschlossen
Spätestens ab dem Viertelfinale jedoch treffen wohl auch die Favoriten des Turniers in direkten Duellen aufeinander. Dabei sind unerwartete Ergebnisse nicht auszuschließen. Gerade bei Europameisterschaften hat es in der Vergangenheit selbst bei Entscheidungen um den Titel große Überraschungen gegeben.
Beispielsweise 1992, als Dänemark gar nicht für die Endrunde in Schweden qualifiziert war, aber nach dem Ausschluss Jugoslawiens kurzfristig doch eingeladen wurde und aus dem Urlaub kommend und entsprechend unbelastet aufspielend bis ins Finale vordrang und dort Deutschland mit 2:0 besiegte.
Ebenso hätte 2004 niemand damit gerechnet, dass Otto Rehhagels Griechen bis ins Finale vordringen und sich in Lissabon auch noch gegen Gastgeber Portugal mit ihren Stars Figo, Deco und dem jungen Cristiano Ronaldo durchsetzen.

Nur geringe Titelchancen für CR7
Der ist mit Portugal auch 2016 wieder mit dabei und nimmt erneut einen Anlauf auf den Titel, nachdem man vor vier Jahren erst im Elfmeterschießen des Halbfinales dem späteren Turniersieger Spanien unterlegen war.
Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt auch bei der WM in Brasilien, gezeigt, dass Ronaldos Mitspieler nicht über jene Klasse verfügen, um den Superstar entsprechend zur Geltung bringen zu können.

Portugal

Die Engländer machen sich vor allem aufgrund der makellosen Qualifikation – 10 Siege in 10 Spiele – Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden, aber in der Vergangenheit mussten die Briten viele herbe Rückschläge hinnehmen. Vor allem, wenn es besonders eng wurde und ein Elfmeterschießen anstand, hielten die Nerven der Spieler der Belastung nicht stand.

Eine Zusammenstellung der englischen Niederlagen im Elfmeterschießen seit 1990.

Schafft es Belgien erstmals ganz nach oben?
Die Belgier wiederum wurden bereits 2014 in Brasilien als „Geheimtipp“ gehandelt, konnten dort aber nur bedingt überzeugen. Zu Beginn des Jahres 2016 stand Belgien einige Monate auf Platz 1 der Weltrangliste, eine Bestätigung dafür blieben sie aber bisher schuldig. Auch in der Qualifikation konnte Wales erst im Finish noch vom ersten Gruppenplatz verdrängt werden.

Belgien

Daher zählen Belgien, England und Portugal zwar zum erweiterten Kreis der Titelkandidaten, ein Turniersieg einer dieser Nationen wäre dennoch eine Überraschung. Echte Titelchancen werden von den Wettanbietern vor allem den Top 3 Frankreich, Spanien und Deutschland zugebilligt.

Wettanbieter
Die Quoten der Wettanbieter auf den Gewinn des EM-Titels (Stand 30. Mai 2016) – die jeweils aktuellen Wettquoten während des Turniers finden Sie hier

Mehrere Debütanten im Teilnehmerfeld
Für die verbleibenden 17 weiteren Nationen geht es vor allem um ein möglichst gutes Abschneiden bei einem großen Turnier. Für einige ist das eine Premiere. Albanien und Island waren bisher weder bei einem WM- noch bei einem EM-Turnier mit dabei.
Auch für Wales und Nordirland ist es die erste EM-Teilnahme, während die ebenfalls erstmals teilnehmende Slowakei als Teil der CSSR großen Anteil am Gewinn des EM-Titels 1976 hatte. Diese Nationen gelten neben Ungarn, Irland und Rumänien zu den großen Außenseitern, die wohl mit dem Erreichen des Achtelfinales bereits ein großes Ziel erreicht hätten.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Mannschaften, denen zwar eine gute Performance zugetraut wird, mit der Vergabe des EM-Titels sollten sie aber nichts zu tun haben. Dazu zählen etwa Österreich und die Schweiz, aber auch Kroatien, Russland, Polen, Tschechien oder die Türkei.


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