HSV – RB Leipzig: Zu viel Tradition gegen zu wenig

Am 3. Spieltag kommt es in der Bundesliga zum Duell zwischen dem Liga-Dino HSV und dem wenig geliebten (Retorten-)Club RB Leipzig. In der höchsten deutschen Spielklasse wird man kein Duell finden, in dem Tradition eine größere Rolle spielt: Der eine Verein war als einziger immer in der 1. Bundesliga und bezieht sein Selbstverständnis zu sehr (nach Meinung einiger einzig) daraus. Der andere Club wurde erst vor einigen Jahren gegründet und hat so wenig Tradition zu bieten, dass sich sogar einige Hoffenheim-Anhänger trauen, darüber Witze zu machen.

Aber nicht nur bei der Tradition unterscheiden sich die beiden Teams, sie gehen auch mit völlig unterschiedlichen Vorzeichen in das Spiel. Während beim HSV nach nur zwei Spieltagen mal wieder der Baum brennt, mal wieder der Trainer in der Kritik steht und mal wieder etliche Fans verkatert in der Realität angekommen sind, befinden die Leipziger Anhänger sich noch im Endorphin-Rausch.

Nach dem mehr als verdienten Unentschieden zum Auftakt bei Hoffenheim wurde letzte Woche Borussia Dortmund nicht unverdient besiegt. Ein Sieg in Hamburg würde wohl für einige Fans, alle Boulevard-Journalisten und etliche pessimistische Fußballromantiker gleichbedeutend mit der sicheren Qualifikation für den europäischen Wettbewerb sein. Und die Chancen für einen Erfolg an der Elbe stehen gut.

Denn die ersten beiden Aufritte der Roten Bullen waren ebenso verheißungsvoll wie die Darbietungen des HSV ernüchternd waren. Zum Bundesligaauftakt gelang es den Hamburgern im Volksparkstadion nicht, die alles andere als überragend auftretenden Ingolstädter zu schlagen. Besonders in der zweiten Halbzeit waren beim HSV kein Konzept, keine Leidenschaft, keine Ideen zu sehen. Letzte Woche in Leverkusen spielte der HSV zwar lange Zeit gut mit (oder verteidigte wenigstens kompromisslos), am Ende aber standen die Norddeutschen wieder einmal mit leeren Händen da.

Unlängst ließ sich selbst der sonst so zurückhaltende Chef und Manager in Personalunion, Didi Beiersdorfer, zu Äußerungen hinreißen, die man als Kritik am Trainer auffassen könnte. Klar ist, der HSV hat über 30 Millionen Euro investiert, lässt aber weiterhin ein Spielsystem vermissen. Lange Bälle auf den hochgewachsenen Gregoritsch können bei der Qualität des Kaders eigentlich nicht das bevorzugte taktische Mittel sein.

Und auch die Frage nach der Nichtnominierung von Finn Porath muss sich Labbadia gefallen lassen. Der von allen Vereinsseiten hochgelobte Nachwuchssechser schaffte es bisher nicht in den Kader. Am ersten Spieltag nahm Labbadia einen nicht fitten Holtby mit (statt ihm kam Diekmeier während des Spiels für den angeschlagenen Jung und Außenverteidiger Sakai ging auf die Sechs), in Leverkusen erhielt Albin Ekdal den Vorzug. Der Schwede wirkte nach seiner Einwechslung für Holtby allerdings nicht gerade fit. Ob die Personalentscheidungen vom Trainer nun richtig oder falsch waren, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Fakt ist aber, der HSV steht nach zwei Spieltagen mit einem Punkt da. Das ist nicht nur für Vereinsmäzen Kühne zu wenig.

Und ich lege mich fest: Am Samstag wird es für den HSV eine weitere Niederlage geben. Zu schwach waren die beiden bisherigen Auftritte des Dinos, zu stark die bisherigen Partien der Leipziger. Bei einer Quote von 2,70 für einen Erfolg von Red Bull, äh RasenBallsport Leipzig platziere ich meinen Einsatz – ohne zu zögern – auf den Bundesligafrischling.


    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen