Thomas Broich: Glücksgefühle in „Down Under“

Thomas Broich beschrieb sich in einem Interview einmal so: „Ich war arrogant, ich habe mich bewusst abgegrenzt. Irgendwann war ich gefangen in dieser Rolle.“ Aus diesem Gefängnis wollte er ausbrechen. Die „Flucht“ führte ihn nach Australien.

Australiens Bester in der A-League: Thomas Broich. Bild: Imago

Australiens Bester in der A-League: Thomas Broich. Bild: Imago

In Deutschland ticken die Uhren eben anders. Das gilt auch im Fußball. Die Bundesliga wird oft mit einem großen „Haifisch-Becken“ verglichen, in dem nicht wenige scheiterten. Thomas Broich zählte sich dazu. Er schaffte den Sprung in die U-21-Nationalmannschaft. Anschließend zeigte seine Karriere immer deutlicher steil nach unten.

Broich wählte einen anderen, einen sehr ungewöhnlichen, einen zweifelsohne mutigen Weg. Aber der Erfolg gibt dem 31-Jährigen recht. Am anderen Ende der Welt hat Thomas Broich sein Fußball-Glück wiedergefunden. Fortgejagt aus Nürnberg wurde der Mittelfeldspieler jetzt zum besten Akteur der Saison 2011/12 in Australien gewählt.

Australien und der Boom einer Randsportart

Sicherlich: Der Fußball in Australien hat aufgeholt und findet auch bei den Fans immer größeren Anklang. Spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als die „Socceroos“ es bis ins Achtelfinale schafften, wo Australiens Nationalelf dann aber höchst unglücklich und durch einen zweifelhaften Strafstoß in der Nachspielzeit gegen Italien ausschieden. In „Down Under“ feierten sie dennoch ihre Kicker wie Helden.

Doch wagt man als gestandener Fußballprofi, der sein Geld in der deutschen Bundesliga verdient, trotzdem den Schritt in die „Entwicklungs-Liga“ A-League? Thomas Broich hat diesen Schritt jedenfalls gewagt – und sollte ihn auch nicht bereuen. Er verzichtete auf die Bundesliga, eine der besten Ligen rund um den Globus. Auf seinen Sport wollte Broich allerdings nicht verzichten.

Finaler Schlussstrich in der Heimat

Also zog Thomas Broich im Sommer 2010 einen Schlussstrich. Beim 1. FC Nürnberg hatte der heute 31-Jährige zuvor noch einmal einen letzten Anlauf genommen. Im Frankenland sollte seine Karriere ihren zweiten Frühling erleben. Doch mit nur sieben Einsätzen scheiterte Broich, den viele Experten schon 2004, als er noch für Borussia Mönchengladbach spielte, als kommenden Nationalspieler sahen.

Sein Entschluss stand fest: Thomas Broich heuerte in der A-League an, bei den Brisbane Roar, fern vom großen Medienrummel. Hier wollte er zu alter Stärke zurückfinden. Was sicherlich als eine Art Experiment bewertet werden durfte, glückte vollends. Gleich in seiner ersten Spielzeit holte der Mittelfeldspieler mit seinem neuen Club 2010/11 die australische Meisterschaft. Hier wertschätzten sie seine Leistungen und wählten Thomas Broich zum zweitbesten Spieler der Saison.

Ausgezeichnet als bester Spieler der A-League

Doch das Fußballmärchen in „Down Under“ war für Thomas Broich damit noch lange nicht beendet. Der Spielmacher, der sich einst von allen missverstanden fühlte, hatte am anderen Ende der Welt wieder Morgenluft geschnuppert. Das Licht am Ende des Tunnels strahlte heller denn je. Mit den Brisbane Roar gelang Thomas Broich dann sogar Historisches, als der gebürtige Münchner mit seinem Verein auch im 36. Match in Serie ungeschlagen blieb und damit nach 74 Jahren im australischen Liga-Fußball eine neue Bestmarke aufstellte.

Im heimischen Suncorp Stadium feierten sie ihren Deutschen, der nach Ablauf der regulären Saison jetzt sogar mit der Johnny Warren Medal als bester Akteur in der australischen A-League ausgezeichnet wurde. Ein Spiel ist Thomas Broich nun noch entfernt vom vollkommenden Glück: Am 22. April will der Mittelfeldspieler mit den Brisbane Roar den Titel verteidigen.


    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen