Raul – ein Abschied von Schalke mit ganz viel Stil

Raul verabschiedet sich von Schalke und der Bundesliga. Bild: Imago

Ob es sich nun um Raul oder wen auch immer handelt: Der wahre Freund des runden Leders muss zwangsläufig kein Fan einer Fußballmannschaft sein, um zumindest mit dem einen oder anderen Spieler ihres Kaders zu sympathisieren. Manchmal führt das dann sogar soweit, dass man sich bei dem Wunsch ertappt, der Manager des Vereins seines Herzens solle bei jenen Akteuren doch gerne zuschlagen.

Raul verabschiedet sich von Schalke und der Bundesliga. Bild: Imago

Raul verabschiedet sich von Schalke und der Bundesliga. Bild: Imago

Gelsenkirchen. Ich bin kein Anhänger der Königsblauen. Doch irgendwie gefällt mir deren finnischer Wirbelwind mit dem lustigen Namen Pukki. Wie putzig. Fußballspielen kann der Teemu auch richtig gut. Das wirkt erfrischend im sonst so knallharten Geschäft. Teemu Pukki scheint das alles nie so richtig zu interessieren. Er will einfach nur gegen die Kugel treten. Deswegen mag ich ihn. Ein anderer Spieler beim FC Schalke 04, der einen Fan – ganz gleich welchen Lagers – einfach imponieren muss, ist Raul Gonzales Blanco.

Was haben die Neider gewettert, als der Spanier nach dem WM-Sommer 2010 tatsächlich „auf Schalke“ in die Bundesliga wechselte. Eine gute Mark wolle er machen, die Hand aufhalten. Das deutsche Fußball-Oberhaus könne sich obendrein nur mit Altstars brüsten. Raul widerlegte alle Vorwürfe. Alt mag er sein, aber in die Jahre gekommen war der heute 34-Jährige noch lange nicht. Die Ära Raul auf Schalke endete heute öffentlich. Mit einer beeindruckenden Pressekonferenz. Ich bin kein Fan der Königsblauen. Aber so mancher, der das von sich behaupten kann, wird auch eine stille Träne der Dankbarkeit und Traurigkeit vergossen haben.

Raul verteilt Dankeschön und Geschenke

Trainer Huub Stevens, der im Vergleich zu allen anderen, die am Redepult wesentlich länger zu Wort gekommen waren, brachte es trotzdem am besten auf den Punkt: „Ich ziehe meinen Hut für die Art und Weise, wie Raul sich hier verabschiedet“, sagte der Niederländer und ergänzte: „Er ist eben ein echter Teamplayer.“ Das konnte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies nur bestätigen und sprach aus, was wohl die meisten Fans über Raul und sein Gastspiel in der Bundesliga dachten: „Du hast gekämpft, dich aufgerieben, du hast brilliert“, verabschiedete sich Tönnies mit warmen Worten.

Raul nahm diesen Doppelpass mit dem Boss gerne auf: „Natürlich muss ich mich auch bei den Fans bedanken, das war etwas ganz Spezielles. Ich habe viel Zuneigung erfahren. Es ist schwer, bei so viel Wärme die richtigen Worte zu finden“, sagte Senor Raul. Und das Schöne daran: Man nimmt es ihm auch ab. Denn schon zum Auftakt der Pressekonferenz hatte der spanische Weltklassekicker nicht nur Trainer, Trainerteam und Vorstand dankend erwähnt. Raul richtete sein „Gracias“ ausdrücklich auch an alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Er hat verstanden, dass viele helfende Hände nötig sind, um seinen Traumberuf Fußballer überhaupt zu ermöglichen.

„Du warst es, der Glanz nach Schalke brachte“

Raul weiß auch um seine Sogwirkung. Also überließ er dem DFB-Museum ein Originaltrikot und jenen Spielball, mit dem er seinen 400. Treffer in seiner so erfolgreichen Karriere erzielt hatte. Er wolle etwas von der Sympathie zurückgeben, lautete die für ihn offenbar selbstverständliche Erklärung. Clemens Tönnies jedenfalls wurde nicht müde, Raul zu adeln: „Abgesehen von den Spielern, die einst den Schalker Kreisel bildeten, warst du der Senor, der Glanz nach Schalke brachte.“ Ein schöneres Kompliment kann man als Schalker wohl kaum verteilen. Horst Heldt ergänzte schnell: „Raul hat der Mannschaft ein Gesicht gegeben. Wir sind traurig, aber ich kann seine Entscheidung auch nachvollziehen.“

Und wohin zieht es Raul? Das ließ der Spanier in dieser emotionalen Pressekonferenz offen. Sein Weg führe ihn weg aus Europa. In eine Liga, die weniger spielstark sei. „Mein Berater und ich prüfen jetzt die Angeboten, dann werden wir uns entscheiden“, hinterließ Raul ein letztes Fragezeichen. Doch ganz gleich, wohin Raul der Weg auch führen mag. Aus der gesamten Republik schallt an diesem Tag ein aufrichtiges: Gracias und Glück auf, Senor!


Ähnliche Artikel:

Der 1. FC Kaiserslautern serviert seinen Fans derzeit keine Schmankerl
Borussia Dortmund gegen FC Malaga: Die Spielanalyse
Der FC Bayern und sein Filou
Matthias Gehring: Das „Gesicht“ des 1. FC Kaiserslautern steht Rede und Antwort

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Rauuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuul.
    Lass Deine tolle Karriere gut ausklingen und nehm noch paar Millionen mit – Du hast es Dir verdient.

    Alles Gute

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>