Ein ganz starker Abgang

Seine Worte klangen nicht nur enttäuscht. Sie hörten sich betrübt an, aber eben auch abgrundtief ehrlich. Kein Nachkarten, schon gar kein übles Nachtreten. Er sei dankbar gewesen, Trainer bei Bayer Leverkusen gewesen zu sein. Man nimmt es Robin Dutt ab, wenn er das mit traurigem Gesicht sagt.

Bundesliga: Trainer Robin Dutt.

Bundesliga: Trainer Robin Dutt. Bild: imago

Ein Tor war gefallen in der BayArena, das zweite an diesem Nachmittag. Und „La Ola“ zog durchs weite Rund. Die Zuschauer feierten eine große Party. Ein Fest des Sarkasmus. Nicht etwa die Hausherren von Bayer Leverkusen hatten da gerade eben das 2:0 bejubelt, sondern die Gäste vom SC Freiburg. Als Julian Schuster nach nur acht Minuten die frühe 1:0-Führung für das abstiegsbedrohte Team aus dem Breisgau gelungen war, hatten die Fans der Werkself es sogleich für nötig empfunden, „Wir wollen euch kämpfen sehen“ anzustimmen. Wohlgemerkt: nach acht (!) Minuten. Das verunsicherte die Leverkusener Mannschaft aber mehr, als dass es ihr helfen sollte. Es gelang rein gar nichts bis zum Pausentee. Und danach wurde es nur noch schlimmer, denn auch Daniel Caliguri durfte sich mit einem schönen Treffer nach exakt einer Stunde feiern lassen. Warum? Weil die komplette Hintermannschaft der Rheinländer ihm tatenlos, fast schon blutleer gewähren ließ. Und nicht etwa, weil Robin Dutt ein taktisches Missgeschick passiert wäre.

Kollege Christian Streich zeigt sich schockiert

Danach wurde es nicht nur peinlich auf dem grünen Rasen, sondern ebenfalls auf den Tribünen der BayArena, wo sie ihren Übungsleiter mit Sprechchören verspotteten. Und zwar so sehr und niederschmetternd, dass selbst seinem Gegenüber Christian Streich, der das 2:0 emotional wie eh und je gefeiert hatte, der Jubelschrei über Caliguris wunderschönen Sonntagsschuss im Halse stecken blieb. Man solle sich mal überlegen, was damit angerichtet werde, gab der Freiburger Trainer mit finsterer Miene zu bedenken. Er habe Verständnis für das Erbostsein, wenn nicht die Ergebnisse erzielt werden, die sich alle sehnlichst wünschen. Aber: „Es ist nicht gut, wenn man so mit Menschen umgeht“, stärkte Streich seinem Kollegen Robin Dutt den Rücken. Der zeigte selbst in der Stunde seiner größten Niederlage noch Größe – mit einer beachtlichen Pressekonferenz. Auch in der „größten Not“ werde er eines nicht tun, stellte der Übungsleiter vor der versammelten Journaille klar: „Die Mannschaft an den Pranger stellen. Ich werde öffentlich keinen Schuldigen suchen“, versicherte Dutt, der jetzt in den nächsten Tagen erst einmal zur Ruhe kommen wolle.

Robin Dutt nimmt nicht die Hintertür der BayArena

Er wirkt angeschlagen, die Ereignisse am Tag zuvor haben den Fußballtrainer sichtlich mitgenommen. Aber Robin Dutt zeigte auch Rückgrat. Obwohl auf die Pressekonferenz ja eigentlich dazu dienen sollte, seinen Nachfolger Sami Hyypiä zu präsentieren, war Dutt dennoch erschienen: „Ich bin hier durch die Vordertür reingekommen und will nicht durch die Hintertür rausgehen.“ Sein Wunsch sei es außerdem gewesen, sich persönlich bei der Mannschaft zu verabschieden. Dann waren die Bayer-Verantwortlichen an der Reihe. Und die garnierten die Pressekonferenz mit Standardfloskeln. Von Zeichen, die man jetzt setzen musste, war da die Rede. Von frischem Wind, dem man sich erhoffe. Von einer „Aktion, die mich menschlich sehr trifft“, wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser noch einmal klarstellte. Am Rhein schauen sie jetzt nach vorne. Nicht mehr zurück, auf die Ränge, wo ihr ehemaliger Übungsleiter verhöhnt worden war. Um so mehr Respekt gebührt Robin Dutt. Niederlagen gehören zum Geschäft. Ob Dutt sich nach dieser besonders bitteren Lektion das alles noch einmal antun will, bleibt abzuwarten. Die nächste Chance kommt bestimmt, Robin Dutt muss sie aber auch annehmen wollen. Zu wünschen bleibt, dass er den Mut dazu aufbringt. So wie er mutig seinen letzten Gang in die BayArena angetreten war.


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