Bremer Baustellen: Jetzt flüchtet auch Tim Wiese

Das Weserstadion wurde gerne als Torfabrik der Bundesliga bezeichnet. Lange her ist das noch nicht. Aber der Fußball ist eben ein schnelllebiges Geschäft. Tim Wiese geht, Claudio Pizarro vielleicht – aber viele Fragen bleiben. Wie werden die Baustellen geschlossen?

Bundesliga: Tim Wiese verlässt Werder Bremen im Sommer. Bild: Imago

Bundesliga: Tim Wiese verlässt Werder Bremen im Sommer. Bild: Imago

Von einer Baustelle wollten sie an der Weser lange Zeit nichts wissen. Doch Claudio Pizarro eröffnete diese spätestens dann, als er seinen Vertrag kündigte. „Das will nichts heißen“, bemühten sich die Verantwortlichen gleich, die Schieflage wieder zurechtzurücken. Pizarro habe sich damit einzig und alleine die Option offengehalten, von einem Wechsel Gebrauch zu machen, sollten die Bremer das internationale Geschäft nicht erreichen. Das wiederum ist mehr denn je in Gefahr, weswegen der Torjäger der Grün-Weißen wiederum nicht fahrlässig handeln wollte. Am 1. April hätte sich der Vertrag automatisch verlängert. Irgendwo im Niemandsland der Liga will ein Stürmer mit Format, wie eben Claudio Pizarro, natürlich nicht seine Karriere beenden, die sich langsam, aber sicher dem Ende neigt mit mittlerweile 33 Jahren. Ähnlich dürfte auch Tim Wiese gedacht haben, als er – deutlich wie immer – seinen Status in Sachen Werder Bremen verkündete: Der Torwart wird die Norddeutschen nach sieben überwiegend erfolgreichen Jahren an der Weser verlassen. Wer sie bis dato nicht erkannt haben sollte: Da ist sie nun, die Bremer Baustelle.

Ein Mannschaft ohne Ausstrahlung

So lange ist es noch gar nicht her, da verzauberte Werder Bremen mit Spaßfußball par excellence die gesamte Fußball-Republik. Da zelebrierte Bremen im Mittelfeld mit einem Johan Micoud, später mit Diego, dann mit Mesut Özil ein gepflegtes Spiel aus traumsicheren Kombinationen. Vorne warteten als Abnehmer Ailton oder „Killer“ Ivan Klasnic, dann kam Claudio Pizarro von der Stamford Bridge aus London zurück. Die Transferpolitik griff, immer wieder konnte Werder Bremen namhafte Abgänge auffangen. Im Fall von Tim Wiese könnte das zumindest ebenso gelingen. Denn mit Sebastian Mielitz steht ein durchaus talentierter Keeper in der Warteschleife. Wann immer Mielitz gebraucht wurde, war er da. Patzer leistete sich nur die wacklige Abwehr, der Bremer Torwart überzeugte. Rein sportlich braucht sich Trainer Thomas Schaaf also in dieser Personalie weniger Gedanken machen, sehr wohl aber darüber, dass es der Bremer Elf mehr und mehr an Ausstrahlung mangelt. Wiese war einer dieser schillernden Figuren mit Starpotenzial. Pizarro ist ein weiterer. Naldo könnte dazu taugen, ist aber ständig verletzt. Wer bleibt da noch übrig? Welcher Leitwolf kann Bremens zweifelsohne talentierten Nachwuchs führen? Innenverteidiger Sokratis ist erst 23 Jahre jung. Doch er hätte das Zeug dazu. Allerdings ist der Grieche wie Kapitän Clemens Fritz auch eher ein leiser Vertreter seiner Zunft. Ein Typ Torsten Frings fehlt an der Weser, einer, der auch mal dazwischenhaut, der für Reibungspunkte sorgt.

Bremens derzeit einziger deutsche Nationalspieler: Tim Wiese ist unter Joachim Löw die Nummer zwei. Bild: Imago

Bremens derzeit einziger deutsche Nationalspieler: Tim Wiese ist unter Joachim Löw die Nummer zwei. Bild: Imago

„Kuschelkurs“ ist der falsche Weg

Das hat Tim Wiese ebenfalls immer getan. Geht auch er, herrscht an der Weser wohl nur noch „Kuschelkurs“ – und genau der führte die Bremer Mannschaft dorthin, wo sie jetzt steht. Nicht gut genug, um ganz oben anzugreifen. Keine Klasse für die Königsklasse. Aktuell wird es selbst eng für die Europa League. Den einzigen Starfaktor besitzt Marko Arnautovic, allerdings meist weniger ob seiner Leistungen auf dem Platz. Der Österreicher hat sich gebessert, seine Fehltritte reduziert. Sportlich ist der zuletzt verletzte Kicker aber ein Mitläufer. So wie Marko Marin, so wie auch Mehmet Ekici, in dem viele Hoffnungen gesetzt wurden. Viele Namen, viele Gesichter – allesamt blasser Natur. Wo ist nur der Esprit geblieben, die Spielfreude, die Durchschlagkraft? Wie konnte Werder Bremen derart im Mittelfeld versumpfen? Oder strafen die Grün-Weißen die Experten, die jetzt den norddeutschen Abgesang prophezeien? So wie eigentlich immer, wenn der Absturz drohte. Das war stets der Bremer Trumpf. Alleine darauf zu hoffen, wäre fahrlässig. Die Zeichen an der Weser stehen auf Sturm. Es wäre schöner, es würde wieder auf dem Platz gestürmt werden. Baustellen sind dazu da, geschlossen zu werden.


  1. Dietmar 23. April 2012 at 20:55

    ich freue mich so, dass wir unseren publikumsliebling tom starke nun endlich durch einen guten torhüter ersetzen können, der eine garantie dafür sein wird, dass wir dauerhaft um den titel mitspielen werden.

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