„Bestie“ Bayern fletscht doch noch die Zähne

Erst wurden ihnen sechs Paar Fußballtreter aus der Kabine geklaut. Dann kassierten die Madrilenen auch noch ein eigentlich irreguläres Tor zum 0:1. Auf diesen Abend beim FC Bayern München hätte Real Madrid gerne verzichtet. Nach der Pause war nach Mesut Özils 1:1 die Welt für kurze Zeit wieder in Ordnung. Doch dann schlug Mario Gomez in der Schlussminute zu. Nach diesem 2:1 (1:0)-Sieg der Münchner lebt der Finaltraum.

Diebische Freude: Bayern bejubelt das 1:0. Bild: Imago

Diebische Freude: Bayern bejubelt das 1:0. Bild: Imago

Es ist etwas mehr als fünf Jahre her, da gastierte Real Madrid das letzte Mal in der Allianz-Arena. Damals benötigte das Rückspiel im Achtelfinale 2006/07 in der Champions League gerade einmal zehn Sekunden bis zum ersten Höhepunkt. Roy Makaay sorgte an jenem 7. März 2007 für das schnellste Tor in der europäischen Königsklasse aller Zeiten. Der Niederländer hatte so maßgeblichen Anteil daran, dass der deutsche Rekordmeister nach dem 2:3 im Santiago Bernabeu durch einen 2:1-Sieg doch noch ins Viertelfinale einzog. Die „Bestia Negra“, wie man die Bayern in der spanischen Hauptstadt als Angstgegner ehrfurchtsvoll nennt, diese „Schwarze Bestie“ hatte wieder einmal zugeschlagen.

Für den ersten Aufreger im Hinspiel des Halbfinales 2011/12 brauchte es noch nicht einmal den Anpfiff in der Allianz-Arena. Denn noch bevor Referee Howard Webb das Match überhaupt eröffnet hatte, liefen bereits die Ticker der Agenturen heiß, dass dreiste Diebe insgesamt sechs Paar Schuhe aus der Kabine von Real Madrid gestohlen hatte. Der Mal sollen die „Puschen“ von Superstar Cristiano Ronaldo dabei das Objekt der Begierde gewesen sein. Doch von alledem bekamen die Münchner Kicker auf dem grünen Rasen nichts mit, denn sie gingen die Vorschlussrunde gegen die Elf von Jose Mourinho hochkonzentriert an.

Bayern München hellwach und mit Glück beim 1:0

Als sei der Zwischenfall in den Katakomben der Münchner Arena nicht schon ärgerlich genug gewesen für die Königlichen, nach 17 Minuten stand es dann auch noch höchst unglücklich 0:1 aus der Sicht der spanischen Gästen. Denn der Treffer, den Franck Ribery aus dem Hinterhalt mitten durch das Getümmel im Strafraum von Real erzielte, hätte nicht zählen dürfen. Luiz Gustavo jedenfalls stand genau in der Schussrichtung vor Madrids Keeper Iker Casillas, wich im letzten Moment aus – und die Kugel schlug im Netz ein (17.). Zuvor hatte auch Sergio Ramos dumm ausgesehen, der per Brust Ribery den Ball buchstäblich aufgelegt hatte. Für Real Madrid war es nicht nur das erste Gegentor in der diesjährigen Champions League im ersten Durchgang. Die Königlichen gerieten zum ersten Mal überhaupt auch ins Hintertreffen.

So durfte gespannt beobachtet werden, wie der Tabellenführer der Primera Divison mit diesem Rückstand umgehen würde. Die Antwort auf diese Frage war simpel: mehr als schwerfällig! Der FC Bayern diktierte nun das Geschehen, setzte immer wieder Nadelstiche. Wie etwa den Distanzschuss in Person von Bastian Scheinsteiger nach 27 Minuten, oder die Flanke von Arjen Robben zwei Minuten später, die allerdings zu ungenau war. Die beste Gelegenheit aber vergab Mario Gomez, der von Toni Kroos perfekt in Szene gesetzt wurde, direkt abzog, doch Casillas rettete zur Ecke (40.). In der Summe war es ein richtig guter, weil konzentrierter Auftritt der Bayern, der Lust auf den zweiten Durchgang machte.

Mesut Özil schockt München

Doch die Freude der Münchner Fans über das bis dato sehr souveräne 1:0 war im zweiten Abschnitt dann ganz schnell verschwunden. Acht Minuten waren gespielt in der zweiten Hälfte, da konterte Real Madrid gelungen, während Cristiano Ronaldo eigentlich stümperhaft abschloss. Doch alle defensiven Bayern-Akteure blieben wie verwurzelt stehen, so dass der Ball ein zweites Mal zu Ronaldo gelangte. Der passte ungedeckt aus spitzem Winkel auf den ebenfalls völlig freien Mesut Özil, der nur noch einschieben musste (53.). „Ausgerechnet Özil“ mögen sich deutsche Fußballfreunde gedacht haben. Jupp Heynckes dachte jedenfalls an Wechsel und brachte nach einer Stunde Thomas Müller für Bastian Schweinsteiger. Was blieb dem deutschen Rekordmeister auch anderes übrig, als nun noch offensiver aufgestellt auf ein zweites Tor zu drängen?

Also reagierte auch Mourinho, brachte Verteidiger Marcelo für Torschütze Özil. Der Mesut hatte seine Schuldigkeit getan, der Mesut durfte duschen. Und so sah Deutschlands Nationalspieler vermutlich auch die nächste gute Gelegenheit nicht, als Mario Gomez eine gute Flanke von Philipp Lahm per Kopfball zu hoch anvisierte (73.). Trotzdem gaben sich die Bayern nie auf, tasteten sich in Person von Ribery und zwei Mal Gomez heran, bis Super-Mario doch noch zuschlug. Lahm setzte sich gegen Coentrao toll durch, Bayerns Torjäger war in der Schlussminute zur Stelle, Real Madrid war zum ersten Mal in dieser Saison in der Königsklasse geschlagen. Die „Schwarze Bestie“ hatte wieder einmal zugeschlagen und allen Grund sich zu freuen – und zwar diebisch.


  1. Tom 17. April 2012 at 21:27

    Ein wirklich beeindruckender Bayernsieg. Auch die Abwehr stand bis auf ganz wenige Ausnahmen gut. Ich drücke den Bayern die Daumen fürs Rückspiel

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