Der Bayern-Blues: Uli Hoeneß singt am lautesten

Das Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München ist vorüber. Auch das Revierderby „auf Schalke“ ist beendet. Die Meisterschaft ist aus Münchner Sicht verloren. Nur Uli Hoeneß hat den Abpfiff noch nicht gehört.

Uli Hoeneß, der Macher bei den Bayern. Foto: Imago

Uli Hoeneß, der Macher bei den Bayern. Foto: Imago

München. Am Ende der wohl schmerzhaftesten Woche in dieser Saison für den deutschen Rekordmeister FC Bayern München und nachdem Borussia Dortmund die Meisterfrage unnachahmlich wohl endgültig beantwortet hatte, packte Uli Hoeneß den Vorschlaghammer aus. Der Vorsitzende und einstige Manager der Bayern war um Gelassenheit bemüht, als wolle er sich nicht gänzlich im Ton vergreifen. Das gelang, wenngleich inhaltlich einige pikante Thesen von Münchens Macher in den Raum geworfen wurden – insbesondere in Bezug auf den neuen Rivalen aus Dortmund, dem die Titelverteidigung wohl nicht mehr zu nehmen ist.

Marcel Reif, der mit in dieser Expertenrunde beim Pay-TV-Sender Sky saß, spekulierte hinterher sogar: „Ich hatte den Eindruck, dass er nicht alles gesagt hat, was er denkt, schließlich ist die Saison noch nicht beendet.“ Geäußert hat sich Hoeneß zwar energisch, nicht aber in Rage, wie man ihn auch schon so manches Mal erleben durfte. Es war wohl besser so. Denn der Grat zwischen sachlicher Bestandsaufnahme in den eigenen Reihen und eines schlechten Verlierers ist und bleibt ein schmaler.

Borussia Dortmund jagt die Rekorde…

Die vorläufigen Fakten jedenfalls sprechen gegen Uli Hoeneß. Wenn ein Überraschungs-Meister, zu dem Borussia Dortmund in der vergangenen Saison sicherlich zählte, seinen Coup wiederholt und den Titel verteidigt, ist dies alles kein Zufallsprodukt mehr. Wenn der BVB sogar vermutlich schon am 32. Spieltag vorzeitig die Meisterschale in den Händen halten wird, dann täte der FC Bayern München zunächst gut daran, die eigenen Fehler zu analysieren. Auch ein Uli Hoeneß sollte sich daran erinnern, dass sein Team schon einmal selbst acht Punkte Vorsprung auf den amtierenden Meister hatte. Er sollte auch nicht vergessen, dass bereits das Hinspiel in der Allianz-Arena 1:0 für Borussia Dortmund endete.

Im Revier purzelten die Rekorde wie reife Früchte. Mit dem 1:0-Sieg, den vierten Erfolg gegen die Bayern in Serie, stellte der BVB die bisherige Bestmarke von Bayer Leverkusen ein. Mit dem 2:1-Sieg im prestigeträchtigen Revierderby beim FC Schalke 04 blieb die Mannschaft von Jürgen Klopp nun schon innerhalb einer Saison 25 Matches in Folge unbesiegt. Vor dem 32. Spieltag in der Bundesliga jedenfalls beträgt der Vorsprung nun wieder acht Punkte. Allerdings nicht für die Bayern, sondern für die Meisterkicker beim BVB.

…und Bayern München hechelt hinterher

Warum? Weil sich das Münchner Starensemble, auch wenn es dies freilich nicht zugeben mag,  nach dem BVB-Sieg „auf Schalke“ im anschließenden Topspiel am Abend gegen den 1. FSV Mainz 05 blutleer und emotionslos präsentierte. Als wolle man sagen: Die Meisterschaft haben wir abgehakt. Auch das ist der „neue“ FC Bayern, der vorab abwinkt, obwohl es eine rechnerische Chance gibt. Nur dem Umstand, dass in der Champions League Real Madrid mit seinen Superstars anreist, war es zu verdanken, dass die Medien diese Vorstellung ohne jeglichen Kampfgeist fast schon ignorierten.

Kämpferisch zeigte sich nur noch Uli Hoeneß am Abend nach der trostlosen Nullnummer gegen die Rheinhessen. Er erinnerte lieber an die Auftritte von Borussia Dortmund in der Gruppenphase der Champions League und sprach: „Dortmund bekommt von mir erst dann den Ritterschlag, wenn sie nicht nur national sondern auch international erfolgreich spielen.“ Erst dann darf sich der BVB über ein „Chapeau!“ des Herrn Hoeneß freuen.

Der BVB hat dazugelernt

Das wiederum ist das gute Recht des Bayern-Präsidenten, der sogar noch einen drauflegte: „In einer ganz leichten Gruppe in der Champions League sind sie nicht Dritter, sondern Vierter geworden. Erst wenn sie diese zwei Dinge in Einklang bringen“, dann würde auch Hoeneß seinen Hut ziehen. Das anstehende Pokalfinale klammerte er dabei schon einmal aus. Sicher ist schließlich immer noch sicher. Wenn das allerdings, was sich bei Borussia Dortmund nach dem finanziellen Beinahe-Kollaps vor noch wenigen Jahren entwickelt, als neue Ära betitelt werden kann, dann darf es sicherlich mit den Anfängen der Bayern-Erfolge verglichen werden. 1968/69 gewannen die Münchner das erste Mal die Meisterschaft in der Bundesliga. Im anschließenden Spieljahr verabschiedete sich der FC Bayern im Europapokal der Landesmeister bereits in Runde eins gegen AS Saint Ettienne.

Und trotz des frühen Ausscheidens – wie in dieser Saison bei Borussia Dortmund – wurde auch die Meisterschaft nicht verteidigt. Auch das war vom Einklang noch keine Spur. Borussia Dortmund wird aus seinen Fehlern in den glorreichen Jahren zwischen 1993 als Finalist im UEFA-Cup und 2002 als Deutscher Meister und erneuter Zweiter im UEFA-Cup gelernt haben. Ebenso aus der vergangenen Saison in der Champions League. Herr Hoeneß wird schon bald „Chapeau“ sagen. Notfalls müsste man ihn an seine Worte erinnern.


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