Arjen Robben, der Fehlschuss und die Folgen

Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, war bemüht, die Fassung zu bewahren. „Früher“, meinte der „Kaiser“, „gab es einmal ein Gesetz: Der Gefoulte schießt niemals selbst.“ Arjen Robben tat es im Topspiel bei Borussia Dortmund doch – und scheiterte kläglich.

Bundesliga: Bayerns Arjen Robben verschießt den Elfmeter im Spitzenspiel beim BVB. Bild: Imago

Bundesliga: Bayerns Arjen Robben verschießt den Elfmeter im Spitzenspiel beim BVB. Bild: Imago

Die Fans von Borussia Dortmund hatten gerade zum Klassiker der Bundesliga-Hits angestimmt und einen Oldie aus der Mottenkiste gepackt: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ So schallte es durch die Arena. Bis ein Pfiff im Signal-Iduna-Park urplötzlich für Totenstille sorgte. Schiedsrichter Knut Kircher, der bis dahin exzellent gepfiffen hatte, zeigte auf den Elfmeterpunkt – und lag mit dieser Entscheidung falsch.

Fürs menschliche Auge kaum wahrzunehmen entlarvten die TV-Bilder später, dass Arjen Robben wohl über die eigenen Füße statt über Roman Weidenfellers Hände gestolpert war. Der Niederländer schnappte sich in jener 86. Minute selbstbewusst das Leder. Robben lief an – und schoss Dortmund Torwart Weidenfeller den Ball in die Arme. Der FC Bayern hatte die große Chance zum so wichtigen 1:1 vergeben. Und jetzt weiß auch ganz München, wie es sich anfühlen muss, einen Michael Kutzop in seinen Reihen zu haben.

Arjen Robben wie einst Michael Kutzop: Erinnerungen an 1986

Kutzop? Da war doch mal was? Richtig, denn ziemlich genau vor 26 Jahren ertönte der Elfmeterpfiff im Bremer Weserstadion. Der Strafstoß für Werder in der 89. Minute aufgrund eines vermeintlichen Handspiels von Sören Lerby war ebenfalls strittig. Michael Kutzop, der in seiner Karriere nie einen Elfmeter für die Norddeutschen verschießen sollte, trat und – und traf dieses einzige Mal nur den Pfosten. Es blieb beim 0:0, die Entscheidung um die Meisterschaft war vertagt. Sie fiel eine Woche später am letzten Spieltag.

Werder Bremen verlor 1:2 beim VfB Stuttgart. Die Bayern fertigten Mönchengladbach ab und hielten die Schale doch noch in den Händen. Nun mögen kritische Stimmen behaupten, dieser Pfostenschuss aus der Saison 1985/86 sei mit Arjen Robbens Fehlschuss anno 2012 nicht zu vergleichen. Schließlich hätte selbst ein 1:1 den Titel nicht entschieden. Und schon gar nicht für die Münchner Bayern. Doch wenn das einmal kein Trugschluss ist.

Der Fehlschuss kann sehr wohl Folgen haben

Denn mit nunmehr sechs Punkten Vorsprung im Rücken lässt es sich für Borussia Dortmund natürlich viel befreiter aufspielen. Die Bayern jedenfalls trotteten deprimiert und kleinlaut vom Rasen des Signal-Iduna-Parks. Und dennoch ist ein Szenario in den kommenden Tagen nicht undenkbar: Der BVB verliert im Ruhrderby beim FC Schalke 04, holt anschließend zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach nur ein Unentschieden. So – oder eben umgekehrt. Derartige Ergebnisse wären kein Hexenwerk. Der BVB würde dennoch weiterhin mit mindestens einem Punkt vorne liegen.

Hätte allerdings Arjen Robben getroffen, Bayern München beim BVB 1:1 gespielt, hätte der deutsche Rekordmeister mit zwei Siegen die Chance gehabt, am 21. April 2012 ganz vorne zu stehen, dann selber mit zwei Punkten Vorsprung. Dazu wird es jetzt aufgrund der 0:1-Niederlage natürlich nicht mehr kommen. Doch schafft es der BVB am Saisonende, seinen Vorsprung mit nur einem Punkt oder vielleicht mit zwei Zählern knapp über die Zielgerade zu retten, dann – jede Wette – wird auch die 86. Minute im Signal-Iduna-Park aus dem Archiv gekramt. Kutzop lässt grüßen!


  1. Cristiano Ronaldo lässt den FC Barcelona verzweifeln : Fussball Pur 12. April 2012 at 10:10

    […] Spitzenspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und Bayern München war gerade erst abgepfiffen, da durften sich […]

  2. […] abzugeben, tat doch wohl weh genug. Ganz besonders Arjen Robben – der verschossene Elfer, wir erinnern uns. Also rudert der Niederländer schnell zurück und ergänzt schnell: „Wir sind bereit!“ Geht […]

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